Neuigkeiten
07.02.2020, 20:12 Uhr | Anzeiger - Heino Schiefelbein
Wird Messegelände zum Wohngebiet?
Bremervörder Runde diskutierte im Hotel Daub über Möglichkeiten

Soll das Markt- und Messegelände bebaut werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des "Stadtgesprächs" der Bremervörde Runde, zu dem der CDU-Stadtverband, der Kultur- und Heimatkreis und das Forum BauKulturLand eingeladen hatten. Das Thema brennt anscheinend der Bevölkerung unter den Nägeln. Rund 150 Zuhörer drängten sich auf dem Saal des Hotels Daub.

Bremervörde -

Und so freute sich der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dirk-Frederik Stelling über die große Resonanz. "Es ist besser, wir reden miteinander als übereinander." Er sehe einen dringenden Bedarf an Wohnbauflächen gerade für junge Familien. Man müsse diesbezüglich über das Markt- und Messegelände, aber auch über andere Flächen nachdenken. Neben den herkömmlichen Einfamilienhäusern seien auch andere Varianten denkbar.

Es sei auszuloten, "wo haben wir beim 'Neuen Wohnen' in Bremervörde einen gemeinsamen Nenner", sagte Lothar Tabery, der die Veranstaltung moderierte. Es gelte zunächst Informationen zu sammeln, über wo, wie, und was man bauen kann.

"Ich habe den Vorschlag mit dem Markt- und Messegelände bewusst provokativ eingebracht", so Bürgermeister Detlev Fischer, denn die jahrelangen Bemühungen der Stadt seien bislang erfolglos geblieben. Bereits 2013 habe die Verwaltung eine Wohnbebauung östlich der Oste angedacht. Der Rat habe jedoch keinen Bebauungsplan aufgestellt. Vielmehr sollte auf Innen- und Nachverdichtung gesetzt werden.

Zwei Jahre später sei eine Studie über die Wohnbauentwicklung für elf Flächen in Auftrag gegeben worden. Aus verschiedenen Gründen sei schließlich eine übrig geblieben. Entsprechende Mittel seien in den Haushalt 2018 eingeflossen.

Die Grundstücksverhandlungen gestalteten sich jedoch schwierig, da der betroffene Grundstückseigentümer nicht verkaufen, sondern tauschen wollte. Landwirtschaftliche Nutzflächen würden jedoch kaum zur Verfügung stehen, da die Landwirte bereits rund 200 Hektar als Ausgleichsflächen für den Bau der Autobahn 20 zur Verfügung gestellt bekommen hätten.

Die Haushaltsmittel seien durch den ersten Nachtrag 2018 für den Bau der Kita-Ost umgewidmet worden. "Wir mussten unserer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen." Schließlich seien die beiden örtlichen Banken mit ins Boot geholt worden. Hier scheiterten jedoch die Grundstücksverhandlungen ebenfalls. "Über das genannte Gelände sollten wir ernsthaft nachdenken." Nach Auffassung des Bürgermeisters sei das Markt- und Messegelände ziemlich runtergewirtschaftet. Zudem bestehe eine Nutzungsbeschränkung auf 18 bis 20 Tage jährlich. "Welche Messen finden noch statt? Die Jahrmärkte werden immer kleiner", gab Fischer zu bedenken. Und auch die Schausteller hätten schon vor längerer Zeit angedeutet, dass sie lieber einen Standort in der Stadtmitte hätten.

Peter Kranzhoff aus Hamburg betrachtete das Markt- und Messegelände aus stadtplanerischer Sicht. Es verfüge über ein großes Lagepotenzial mit freier Landschaft und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Bushaltestellen und Freizeiteinrichtungen seien vorhanden. Ob die derzeitige Erschließung ausreiche, müsse geprüft werden. Problematisch seien folgende Fragestellungen. Können die Märkte verlegt werden? Stehen bei Großveranstaltungen noch genügend Parkflächen zur Verfügung? Wird die Freizeiterholung für alle geschwächt? Wie ökologisch bedeutsam ist die Fläche? Auch die Effekte des demografischen Wandels müssten berücksichtigt werden. Es würden sicherlich Einfamilienhäuser im Bestand frei werden. Wenn es zu einer Ausweisung als Bauland käme, dann sollte es auf keinen Fall ein 08/15-Einfamilienhaus-Gebiet werden. Der Stadtplaner empfahl einen Baumix mit unterschiedlicher Verdichtung und Höhenentwicklung.

Unter dem Motto "Genossenschaftliche Wohnkonzepte kontra Investorenmodelle" stand der Vortrag des Projektentwicklers Volker Holtermann aus Lübeck. Er stellte verschiedene von seinem Unternehmen realisierte Projekte vor. Es folgte eine lebhafte Diskussion.

Ein Fazit fasste abschließend Lothar Tabery zusammen: "Bevor ein Konzept erstellt wird, müssen sich alle Beteiligten breit informieren. Es müssen Alternativen und Varianten aufgezeigt werden. Der Blick auf die gesamte Stadt wegen anderer Flächen darf nicht verloren gehen. Bei einer Weiterentwicklung des Konzepts sollte ein qualifizierter Fachplaner beauftragt werden. Ich halte es für sinnvoll, die Bevölkerung umfassend einzubinden, damit sie sich mit dem Vorhaben identifiziert."

Suche
Impressionen