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19.02.2019, 18:59 Uhr | Bremervörder Anzeiger, Lutz Schadeck
Aufbruchstimmung bei der CDU
Mitgliederversammlung des Gemeindeverbandes Bremervörde

Offenbar hatte sich der Vorstand des CDU-Gemeindeverbandes Bremervörde den richtigen Ort für die Mitgliederversammlung ausgesucht. Der gemütliche Kellerraum des Restaurants Sukario war jedenfalls bestens gefüllt.

Bremervörde -

Der Vorsitzende Dirk-Frederik Stelling freute sich, dass er neben den zahlreich erschienenen Mitgliedern auch Marco Mohrmann (MdL), Marco Prietz, CDU-Fraktionsvorsitzender im Bremervörder Rat, Bürgermeister Detlev Fischer und als besonderen Gast Kai Seefried, Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, begrüßen konnte.

In ihren Grußworten gingen die Redner auf verschiedene Themen, die die Region und Bremervörde bewegen, ein. Mohrmann gab zu, dass bei der Wahl des Bürgermeisters in Zeven einiges schief gelaufen sei und man das Amt an die SPD abgeben musste. Insofern freue er sich, "dass es in Bremervörde so gut läuft". Marco Prietz meinte, dass die CDU im Landkreis gut aufgestellt sei. Im Kreistag stehen besonders drei Themen im Fokus: Familien stärken und Kinderbetreuung, Digitalisierung und Bildung. Gerade beim Thema Bildung stehe Bremervörde gut da. "Nirgends passiert so viel wie in Bremervörde. Wir werden bald das beste und modernste Schulzentrum im Kreis haben."

Die Erweiterung und Sanierung sichere das Krankenhaus Bremervörde. Besonders hob Prietz den Beitritt zum HVV (Hamburger Verkehrsverbund) hervor. Die Verträge seien bereits unterschrieben und treten mit dem Fahrplanwechsel in Kraft. "Dadurch wächst Bremervörde ein Stück näher an Hamburg heran."

Detlev Fischer zeigte sich nicht glücklich, aber zufrieden. So gebe es eine gut funktionierende Stadtratfraktion, die sich unter anderem nicht, was die Stadtsanierung angehe, habe einschüchtern lassen. Nicht zufrieden zeigte er sich mit der Entwicklung der A20. "Das könnte schneller gehen." Auch die Baulandentwicklung in der Kernstadt bereite ihm Sorgen.

Dirk-Frederik Stelling sprach in seinem politischen Jahresrückblick von politisch turbulenten Zeiten. "Früher wären wir glücklich gewesen, wenn wir doppelt so stark gewesen wären wie die SPD." Heute, wo die SPD nur noch bei 15 Prozent liege, sei das nicht mehr so. Trotzdem appellierte er an die Mitglieder: "Erneuerung aus eigener Kraft ist möglich." Auch Stelling sprach verschiedene Themen an, resümierte zum Schluss: "Wer meint, in Bremervörde tut sich nichts, informiert sich nicht."

Statt Festrede wurde Kai Seefried von Dirk-Frederik Stelling und dem 17-jährigen CDU-Neumitglied Jenny Söhl interviewt. Zur Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) meinte Seefried, dass es dazu keine einfache Antwort gebe. Letztlich gehe es um die Frage: "Wer soll es am Ende bezahlen?" Er selber plädiere für eine Abschaffung auf Landesebene, wies aber gleichzeitig auf die Umsetzungsschwierigkeiten und Erfahrungen in Bayern hin.

Das Thema Digitalisierung verglich er mit dem gleich schweren Thema "Bürokratieabbau". "Wir reden ständig über Arbeit, Bildung, Wirtschaft 4.0 – aber es fehlt die Grundlage." Er mache sich stark für Glasfaser bis ins Haus. Dem zugegebenen Rückstand sagte er den Kampf an: "Wir machen uns auf den Weg in der Aufholjagd."

Auch auf dem Gebiet Bildung und Kindertagesstätten räumte er Mängel ein. "Wir haben die schlechteste Unterrichtsversorgung der letzten 15 Jahre." Aber es gebe etwas Licht am Ende des Tunnels. Es seien im letzten Jahr mehr Lehrer eingestellt worden, als aus dem Schuldienst ausgeschieden sind. Doch auch die Landesschulbehörde müsse flexibler reagieren, kritisierte er die Bürokratie dieser Behörde.

Dass man die Beitragsfreiheit in Kitas eingeführt habe, sei "die größte familienfördernde Maßnahme, die wir erreicht haben." Erzieher müssten genauso wie Handwerker ein duales Ausbildungssystem genießen können. "Wir brauchen Lösungen, hier und heute."

Den Fachkräftemangel im Handwerk führte Seefried unter anderem auf ein gesamtgesellschaftliches Probleme zurück. "Derzeit meinen viele, das Gymnasium sei der einzig glückselig machende Weg." Da stimme etwas nicht, wenn 70 Prozent der Grundschüler auf das Gymnasium geschickt werden. Inzwischen ist das Handwerk hoch technisiert. Es werden Fachkräfte gebraucht. Abiturergebnisse dürften nicht der Maßstab sein.

Seefried sprach weiter die Themen Sicherheit und Innenpolitik, das neue Polizeigesetz in Niedersachsen, die anstehende EU-Wahl und die niedersächsische Migrationspolitik an. Sein Fazit zu allen Themen: "Wir müssen kritisch und offen diskutieren können."

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