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05.12.2018, 08:48 Uhr | Bremervörder Zeitung - Theo Bick
Parteiflügel müssen sich Bälle zuspielen
CDU-Bundestagsabgeordneter Phillipp Amthor beim Pressegespräch in der BZ-Redaktion

Er sei sicher nicht verdächtig, sonderlich weit links von der Mitte zu stehen. Dass diese Selbstbeschreibung eine grobe Untertreibung darstellt, verrät schon allein das Grinsen im Gesicht von Phillipp Amthor. Der 26-jährige Bundestagsabgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern weiß selbstverständlich um seinen Ruf als einer der Hoffnungsträger der Konservativen innerhalb der Union. Sätze wie "Wir sind die Einzigen, die den ländlichen Raum noch verstehen", eine Klage über das Auseinanderdriften der Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land, aber auch Amthors Besuch in der JVA Bremervörde, den er mit einem Lob für die natürliche Autorität des Anstaltsleiters verbindet, können als Erklärungen für seinen Ruf dienen.

Der 26-jährige Bundestagsabgeordnete Phillipp Amthor (links) absolvierte vor seinem Auftritt beim CDU-Grogabend einen Pressetermin bei der Bremervörder Zeitung.
Aber was bedeutet das Prädikat "konservativ" eigentlich für ihn? "Für mich ist konservative Politik in erster Linie eine, die sich an Werten orientiert" – "Anständiger Umgang mit- und Respekt voreinander", präzisiert Amthor und ergänzt: "Konservativ zu sein, das ist nicht immer das, wofür man den meisten politischen Applaus bekommt". Aber in der Politik sei nun mal eines ganz besonders wichtig: Authentizität. Wenn Politiker eine Rolle spielten, merke das der Wähler sehr schnell.

Ausschlaggebend für seine CDU-Mitgliedschaft sei der Dreiklang aus einem "gesunden Patriotismus, dem klaren Bekenntnis zu Europa und der sozialen Marktwirtschaft", der die Union ausmache. Seine Zukunftsvision für die CDU ist die einer breit aufgestellten Volkspartei. "Ich glaube nicht, dass die Union einen Rechts- oder Linksruck braucht", sagt Amthor. Stattdessen sei es wie bei einem Fußballspiel. "Jeder muss auf der Position spielen, die er am besten kann. Der eine rechts, der andere links." Es sei nur wichtig, sich innerhalb der Partei gegenseitig die Bälle zuzupassen.

Ob er in diesem Bild nicht prädestiniert wäre für die Rolle des rechten Verteidigers? Das müssten andere entscheiden. "Auf jeden Fall bin ich nicht der, der die Flanken von links reinschlägt", scherzt der zweitjüngste Abgeordnete des Deutschen Bundestags. Dass er bei der Wahl für den

CDU-Vorsitz den mutmaßlich nur mit Außenseiterchancen ausgestatteten Jens Spahn unterstützen wird, daraus macht Amthor beim Pressegespräch in der BZ-Redaktion – wie auch einige Stunden später beim CDU-Grogabend in Nieder Ochtenhausen – kein Geheimnis.

Ob er aber in einem möglichen zweiten Wahlgang Friedrich Merz oder Annegret Kramp-Karrenbauer seine Stimme geben würde, will Amthor dann doch nicht verraten. "Reserveüberlegungen", so der 26-Jährige, wolle er nicht anstellen. Dass er kurz darauf Friedrich Merz zitiert, möchte er ausdrücklich nicht als Prognose für sein Abstimmungsverhalten verstanden wissen. In jedem Fall könne die CDU selbstbewusst aus der Diskussion über den Parteivorsitz hervorgehen. "Andere Parteien wären froh, drei so respektable Kandidaten zu haben".

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